Moskau, 2022/2023. Mein internationales Beratungsgeschäft war zum Stillstand gekommen. Während andere warteten, entschied ich mich für ein Experiment: Ich tauchte in die Welt des russischen Modelns ein und sah mir einige Modelschulen in Moskau an. Was ich fand, war eine Lektion in Eitelkeit, harter Arbeit und dem Unterschied zwischen echtem Handwerk und Fließbandbetrug.
Wer glaubt, dass es beim Modeln nur darum geht, „gut auszusehen“, wird schnell eines Besseren belehrt. Um ein Dachdecker zu sein, müssen Sie das Handwerk erlernen. Um ein Model zu werden, müssen Sie lernen, Ihren Körper zu beherrschen. Aber in dieser Branche werden die Träume der Menschen oft als Köder benutzt.
Hinter den Kulissen der Modelschulen in Moskau: Die Betrugsmaschinerie
Bevor ich meine Schule fand, sah ich mir das System von innen an – als Bewerber für eine „Scout“-Stelle bei einer Agentur in einem Moskauer Wolkenkratzer. In einem anonymen Büro liefen sie wie am Fließband. Das Ziel: Kandidaten mit falschen Jobversprechen zu ködern und ihnen überteuerte Fotoshootings zu verkaufen.
Ich habe die Verkaufsskripte gesehen; ich habe die Tricks gelernt. Der Inhaber der Agentur fragte mich sogar direkt, ob ich das „mit meinem Gewissen vereinbaren“ könne. Sie wollten jemanden, der kaltblütig Träume verkauft. Als Deutscher mit einem gewissen moralischen Kompass war mir sofort klar: Das ist ein räuberisches System. Diese Erfahrung war jedoch von unschätzbarem Wert – sie schärfte meinen Blick für das, was echt ist.
Rettung im Atelier: A.B.A. Models und der „Masha-Faktor“
Meine Erfahrung bei A.B.A. Models war völlig anders. Anstelle eines sterilen Büros fand ich eine riesige Altbauwohnung mit hohen Decken, Backsteinwänden und Parkettböden vor – ein Ort, der mich sofort an Berliner Künstlerateliers erinnerte.
Hier traf ich Scout Diana, die mir keine falschen Komplimente machte. Als sie mein Geburtsjahr 1979 sah, stellte sie es ungläubig in Frage – die Überraschung war echt, keine Verkaufstaktik. Und dann war da noch Masha. Model, Buchhalterin und die Seele der Schule. Unter ihrer Leitung wurde der dreimonatige Kurs zu einem rigorosen Drill, der mich an mein Karatetraining erinnerte:
- Wiederholung: Tausendmaliges Üben von Schritten, Posen und Blicken, bis sie sitzen.
- Analyse: Filmen, beobachten, Feedback einholen und verbessern.
- Vielseitigkeit: Alles von Choreographie und Theorie bis hin zu schauspielerischen Elementen.














Der Realitätscheck: Mentoren vs. Schmeichler
In einer seriösen Schule treffen Sie nicht nur auf Verkäufer, sondern auf Profis, die die Branche leben und atmen. Meine Erfahrung dort war von brutaler Ehrlichkeit geprägt. Während viele Teilnehmer Anfänger waren, kam ich mit der Erfahrung eines Schauspielers an. Ich wusste bereits, wie ich mit der Kamera arbeiten und meinen Blick kontrollieren konnte – aber das bedeutete nicht, dass ich einen Freifahrtschein hatte.
Konstruktive Kritik statt Komplimente Ein guter Coach schmeichelt Ihnen nicht, er korrigiert Sie. Selbst mit meiner Vorgeschichte erhielt ich direktes, kompromissloses Feedback. Meine Körperhaltung musste verbessert werden, und ich bekam spezielle Übungen für den Rücken, um meine körperliche Präsenz zu verbessern. Für Männer mag der „Gang“ einfacher sein, aber die Frauen in der Klasse wurden auf Herz und Nieren geprüft – stundenlanges Gehen in hohen Absätzen, bis es perfekt war.
Wenn es nicht weh tut, funktioniert es nicht Eine echte Modelschule in Moskau ist kein angenehmer Ort. Es ist ein Trainingslager für die Augen und den Körper. Sie lernen von Leuten, die Ihnen genau sagen, was Sie heute falsch machen, damit Sie es morgen richtig machen können. Wenn eine Schule Ihnen nur sagt, wie „fantastisch“ Ihr Aussehen ist, ist sie nicht an Ihrer Karriere interessiert – sie ist an Ihrem Schulgeld interessiert. Präsenz auf hohem Niveau entsteht durch Korrektur, nicht durch Bequemlichkeit.
Einige Insider-Hacks: So überleben Sie in der Modelbranche
In dieser Zeit habe ich nicht nur gelernt, wie man läuft, sondern auch, wie man sich in der Modelbranche mit einigen cleveren, praktischen Strategien zurechtfindet. Zwei meiner Tipps für das Model-Portfolio:
- TFP (Zeit für Druck): Anstatt ein Vermögen für Fotografen auszugeben, nutzen Sie das Modell „Time for Print“. Arbeiten Sie mit Fotografen zusammen, die gerade lernen oder nach künstlerischen Projekten suchen – im Austausch für Fotos. Beide Seiten profitieren davon, ohne dass Geld den Besitzer wechselt.
- Die Strategie des „Ausleihens der Garderobe“: Für High-End-Shootings kaufte ich Kleidung im Wert von Tausenden von Euro, ließ die Etiketten dran, machte das Shooting und gab sie zurück (vorher mit dem Geschäft abgesprochen). Ich habe immer ein oder zwei Teile behalten, um die Verkäufer zufrieden zu stellen und mein Portfolio wie ein High-Fashion-Magazin aussehen zu lassen.
Meine Schlussfolgerung: Anwesenheit ist Währung
Für mich waren die Modelschulen in Moskau eine unverzichtbare „Allgemeinbildung“. Ob auf dem Laufsteg, vor der Kamera oder in einer harten Geschäftsverhandlung: Präsenz lernt man durch Training.
Jeder, der heute in die Modelbranche einsteigen möchte, sollte genau hinsehen: Macht man Ihnen ein Kompliment, nur um Ihnen einen Kurs zu verkaufen? Oder sagen sie Ihnen, dass harte Arbeit vor Ihnen liegt? Schauen Sie sich den Ort und die Leute an. Bei A.B.A. fand ich Transparenz und echten Drill – und das ist es, was am Ende zu echten Buchungen und vielleicht zu einer Modelkarriere führt.
Links und Ressourcen über meine Arbeit als Model in Moskau:
Hier sehen Sie einige Eindrücke aus meiner Zeit an der A.B.A. Modeling School
Meine Lieblingsmodellschule in Moskau A.B.A. Group
Link zu meinem Büro in Moskau




