Das Flughafenhotel: Wenn Raketen das Armaturenbrett Ihres Unternehmens sprengen

Widerstandsfähigkeit von Unternehmen, wenn Raketen fliegen

Meine bescheidene Lektion in geschäftlicher Belastbarkeit. Es ist der 28. Februar 2006, kurz vor Mitternacht. Ich stehe in der Lobby eines riesigen Hotels in der Nähe des Istanbuler Flughafens. Ich komme aus Moskau und fahre am nächsten Tag weiter nach Podgorica. Eigentlich wollte ich nur spontan ein Zimmer nehmen – „einfach mal etwas Neues ausprobieren“. Aber der Hotelmanager an der Rezeption schüttelt den Kopf: „Leider ist kein Zimmer verfügbar.“

In einem Hotel dieser Größe? Mitten in der Nacht?

Er bittet mich, Platz zu nehmen. Türkische Gastfreundschaft. Er bringt mir einen Kaffee und sagt mir immer wieder, dass ich warten soll. Eineinhalb Stunden lang sitze ich in dieser anonymen, dunklen Flughafenlobby. Gerade als ich endgültig abreisen will, kommt die Nachricht: „Ein Zimmer ist gerade frei geworden. 15 Minuten Reinigung, dann gehört es Ihnen.“

Ich frage ihn, warum alles so voll ist. Ist da eine Messe? Eine Veranstaltung? Er sieht mich ernst an und sagt nur einen Satz: „Wir haben Krieg im Nahen Osten.“

Business Resilience – Der Moment der Wahrheit

Wenig später liege ich in diesem Zimmer. Ein Zimmer ohne Fenster nach draußen, nur mit Blick in das Atrium. Normalerweise hasse ich diese fensterlosen Zimmer. Aber in dieser Nacht, während die Bilder der Raketeneinschläge und die Nachrichten über den Angriff auf den Iran im Fernsehen laufen, fühle ich mich seltsam sicher – und gleichzeitig am Boden zerstört.

In meinem Kopf schwirrt nur ein Gedanke herum: „Nicht schon wieder.“

Ich hatte gerade begonnen, mein Immobiliengeschäft in Dubai von Grund auf aufzubauen. Viel Zeit, Energie und Herzblut waren in den Aufbau des Büros, der Mitarbeiter und die Vernetzung mit Partnern und Bauträgern geflossen. Und jetzt? Ich sah vor meinem geistigen Auge, wie alles wieder ins Stocken geriet.

Geben Sie die Widerstandsfähigkeit Ihres Unternehmens nicht auf

Das Déjà-vu des internationalen Unternehmensberaters

Von China über Moskau nach Dubai: Es fühlte sich wie ein Fluch an.

  • Das erste China: Ein Jahr vor Corona habe ich Vollgas gegeben – dann kam die totale Sperrung und die Absage.
  • Dann Russland: Über 15 Jahre Aufbauarbeit mit Rufil Consulting. Spätestens 2022/2023 war das deutsch-russische Geschäft, wie ich es kannte, komplett vorbei. Auch wenn das Unternehmen heute unter neuer Führung durch meinen ehemaligen Mitarbeiter weitergeführt wird, wurden alle Mitarbeiter und Kunden übernommen, und ich, als Gründer, schaue regelmäßig im Büro vorbei und erledige Jobs als Berater und Krisenmanager.
  • Und jetzt Dubai?!

Ich saß da und dachte: „Bin ich ein Idiot? Warum setze ich immer auf Frieden und das Zusammenführen von Kulturen, wenn die Welt scheinbar nur die Spaltung will? Sollte ich lieber in Rüstungsaktien investieren, wie so viele andere, die vom Krieg profitieren?“

Zorn statt Furcht

Hatte ich Angst, mein Geschäft zu verlieren? Nein. Ich kenne die Ängste, die jeder Geschäftsmann hat, aber die Raketen oder die Tatsache, dass ich wegen ihnen wieder ein Geschäft verlieren könnte, machten mir keine Angst. Was ich fühlte, war tiefe Frustration. Eine bittere Enttäuschung darüber, dass harte Arbeit scheinbar wertlos gemacht wird und dass Geld nicht mit Frieden, sondern mit Krieg verdient wird.

Aber dann kam die Ruhe. Die Gewissheit, dass ich das schon einmal überlebt habe. Dass ich weiß, wie ich mich neu erfinden kann.

Die Aufgabe eines Mannes: Aktion gegen den Verfall

Ich habe mich gefragt: Was ist die Alternative? Den Kopf in den Sand stecken? Auf der Couch sitzen, Bier trinken, Chips essen und Fußball schauen, während die Welt brennt?

Nein. Das ist nicht mein Weg. Der Kampf selbst, die Arbeit, das unermüdliche Vorwärtsgehen – das ist das einzige Mittel gegen Depression und inneren Verfall. Ein Mann muss in Aktion sein. Es ist unsere Aufgabe zu kämpfen, ganz gleich, wie die Umstände sind.

Das erinnert mich an die Worte von Rocky aus dem Film „Rocky Balboa“: „Es geht nicht darum, wie hart man zuschlägt. Es geht darum, wie hart Sie getroffen werden können und trotzdem weitermachen. Wie viel Sie einstecken können und trotzdem weitermachen. So gewinnt man!“

Das ist der Kern der Sache. Der Erfolg im Leben wird nicht in den ruhigen Phasen gemessen, sondern daran, wie Sie nach dem Aufprall wieder aufstehen. Wenn die Welt in Flammen steht, möchte ich in Aktion bleiben, denn das ist der einzige Weg, um nicht am Boden zu bleiben.

Der nächste Tag: Weitermachen

Am nächsten Morgen wachte ich nicht in Verzweiflung auf. Ich nahm den Hörer in die Hand. Ich rief meine Geschäftspartner, Mitarbeiter und meine Familie an. Nicht um mich zu beklagen, sondern um mich zu beruhigen und zu motivieren.

Ja, das Geschäft in dieser Richtung wird vielleicht nie wieder so sein wie früher. Aber wir sind immer noch hier. Wir sind immer noch in Bewegung. Und so lange wir uns bewegen, haben wir nicht verloren.

Bild von Über den Autor: Philipp Rowe

Über den Autor: Philipp Rowe

Diplom-Volkswirt mit mehr als 20 Jahren internationaler Erfahrung. Als "German Desk"-Autor schlägt Philipp Rowe die Brücke zwischen globalen Märkten und deutscher Präzision. Er setzt sein polyglottes Fachwissen (DE, EN, RU, SRB) als strategisches Instrument ein, um lokales Vertrauen und kompromisslose Qualitätsstandards in Russland, Montenegro und darüber hinaus zu gewährleisten.

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